ChatGPT Ads im Selbstversuch: Sichtbar, aber blind
Werbung direkt in ChatGPT, genau dann, wenn potenzielle Kunden nach einer Lösung suchen? Das klingt nach einem spannenden neuen Werbekanal. Wir bei digicube wollten wissen, ob ChatGPT Ads tatsächlich funktionieren. Deshalb haben wir 17 eigene Anzeigen geschaltet, knapp 900 Euro investiert und die Ergebnisse ausgewertet.
Unser Fazit vorweg: Die Anzeigen bringen Reichweite und Besucher. Doch die wichtigste Information fehlt: Wir wissen nicht, in welchem Gespräch unsere Werbung ausgespielt wurde.
Was sind ChatGPT Ads? Werbung in ChatGPT kurz erklärt
Wer ChatGPT in der Gratisversion nutzt, hat sie vielleicht schon gesehen, ohne sie gross zu beachten: kleine, als «gesponsert» markierte Anzeigen unter der Antwort.
Seit Ende August 2026 zeigt OpenAI auch in der Schweiz, in Liechtenstein und im übrigen Europa Werbung in ChatGPT. Viele haben das gar nicht mitbekommen.
Das Prinzip klingt verlockend. Die Anzeige passt zum Thema, über das jemand gerade mit ChatGPT schreibt. Wer nach einer neuen Webseite fragt, sieht im besten Fall eine Agentur, die Webseiten baut.
Werbung genau in dem Moment, in dem jemand ein Problem lösen will. Doch hält das auch, was es verspricht?
ChatGPT Ads im Test: Warum wir als Agentur selbst geworben haben
Wir haben eigenes Geld in die Hand genommen und uns selbst beworben. Das Ergebnis vorweg: Die Anzeigen wurden gesehen und geklickt. Nur haben wir bis heute keine Ahnung, warum.
Der Anlass: Seit ChatGPT Werbung zeigt, kommt bei uns immer wieder dieselbe Frage auf den Tisch: «Lohnt sich das?»
Ehrlich gesagt wussten wir es selbst nicht. Und Ungetestetes empfehlen wir nicht.
Kampagnen-Setup: 17 ChatGPT Ads mit regionalem Targeting
Wir haben eine Kampagne mit fünf Anzeigengruppen gebaut, eine pro Leistung:
- Webseiten
- Online-Shops
- Branding
- Social Media
- digicube als Agentur (generisch)
Darin liefen insgesamt 17 Ads, jede mit eigenem Titel, eigenem Text und einem Link auf die passende Seite von digicube.li.
Erfreulich war, dass sich die Zielregion eingrenzen lässt. Wir haben die Ads nur in Liechtenstein und der Nachbarschaft ausgespielt, von Buchs und Sargans bis Chur.
Jeder Link trug einen UTM-Parameter, damit wir die Besuche in unserer Webanalyse Plausible wiederfinden.
Conversions haben wir bewusst weggelassen. Die Ads führten auf unsere Leistungsseiten und nicht gezielt auf ein Kontaktformular. Für den Anfang wollten wir nur wissen, ob dieser Kanal überhaupt Menschen zu uns bringt.
ChatGPT Ads Ergebnisse: Impressionen, Klickrate und Kosten pro Klick
Am Ende standen folgende Ergebnisse:
| Kennzahl | Ergebnis |
|---|---|
| Werbeausgaben | rund 894 € |
| Impressionen | 40’447 |
| Klicks | 293 |
| Klickrate (CTR) | 0,72 % |
| Kosten pro Klick (CPC) | rund 3 € |
| Gemessene Conversions | Keine eingerichtet |
Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Anzeigengruppe.
| Anzeigengruppe | Anteil Impressionen | Anteil Klicks | Klickrate |
|---|---|---|---|
| Generisch | rund 27 % | rund 26 % | 0,7 % |
| Branding | rund 23 % | rund 22 % | 0,7 % |
| Social Media | rund 23 % | rund 25 % | 0,8 % |
| Webseiten | rund 23 % | rund 23 % | 0,7 % |
| Online-Shops | rund 3 % | rund 5 % | 1,1 % |
| Total | 100 % (40’447) | 100 % (293) | 0,72 % |
Spannend sind die Online-Shops: Sie wurden am seltensten ausgespielt, erzielten aber die höchste Klickrate.
Unser Spitzenreiter bei den Impressionen war die Anzeige «Wir machen Marken sichtbar», die allein rund ein Sechstel aller Impressionen holte.
In den letzten zwei Wochen kippte das Bild. Ausgaben, Impressionen und Klicks sanken um rund ein Drittel, gleichzeitig wurde jeder Klick knapp ein Fünftel teurer.
Weniger Reichweite zum höheren Preis.
Traffic aus ChatGPT: Was auf unserer Webseite ankam
Ein Klick ist erst etwas wert, wenn jemand auch auf der Webseite ankommt.
In Plausible sehen wir 237 Besucher aus der Kampagne. Das entspricht rechnerisch rund 81 % der gemeldeten Anzeigenklicks. Die Werte zeigen, dass die Kampagne tatsächlich messbaren Traffic auf unsere Webseite gebracht hat.
Die Besucher interessierten sich vor allem für Webseiten, Social-Media-Marketing und Branding. Häufig landeten sie auch auf unserer Startseite. Einige schauten sich zusätzlich Case Studies und unser Team an.
Knapp zwei Drittel waren mit dem Smartphone unterwegs.
Woher kamen die Besucher?
| Region | Anteil Besucher | Im Zielgebiet |
|---|---|---|
| Vaduz | rund 20 % | Ja |
| Zürich | rund 12 % | Nein |
| Gamprin | rund 10 % | Ja |
| Graubünden | rund 10 % | Teilweise (Chur, Landquart) |
| Schaan | rund 7 % | Ja |
| St. Gallen | rund 7 % | Teilweise (Rheintal, Sarganserland) |
| Eschen | rund 4 % | Ja |
| Triesen | rund 4 % | Ja |
| Bern | rund 3 % | Nein |
Fast die Hälfte der Besucher stammt aus Liechtensteiner Gemeinden. Das regionale Targeting scheint also grundsätzlich zu greifen.
Dass dennoch Zürich und Bern auftauchen, könnte an der Standorterkennung liegen. Mobile Verbindungen werden teilweise dem Standort des Netzbetreibers zugeordnet, und der liegt häufig in einer grösseren Stadt wie Zürich.
Beweisen können wir diese Erklärung allerdings nicht.
ChatGPT Ads vs. Google Ads: Keine Suchbegriffe im Reporting
Wir wissen also, woher unsere Besucher kommen und welche Seiten sie aufrufen.
Die wichtigste Frage bleibt trotzdem unbeantwortet:
Was hat jemand in ChatGPT geschrieben, bevor unsere Anzeige erschien?
Bei Google Ads sind Suchbegriffe ein wichtiges Werkzeug in unserer täglichen Arbeit. Wir können auswerten, welche verfügbaren Suchanfragen zu Klicks geführt haben, welche Begriffe Anfragen bringen und welche nur Geld kosten.
Mit diesen Erkenntnissen optimieren wir Kampagnen laufend.
Bei ChatGPT Ads fehlt uns dieser Einblick.
Ob uns jemand gesehen hat, der konkret eine neue Webseite plant, oder jemand, der nur wissen wollte, was ein Logo kostet, bleibt im Dunkeln.
Wir können Anzeigentexte austauschen, Zielgruppen und Ergebnisse vergleichen. Aber wir wissen nicht, welcher konkrete Gesprächskontext die Anzeige ausgelöst hat.
Damit fehlt uns ein entscheidendes Puzzleteil für die Optimierung.
5 Learnings aus unserem ChatGPT Ads Test
1. Die Reichweite ist echt
Über 40’000 Impressionen und 237 gemessene Besucher aus einer vergleichsweise kleinen Region sind für eine Agentur aus Liechtenstein beachtlich. ChatGPT Ads können Sichtbarkeit schaffen.
2. Das regionale Targeting greift grundsätzlich
Viele Besucher kamen tatsächlich aus Liechtenstein und dem angrenzenden Rheintal. Allerdings lassen sich einzelne Standortabweichungen nicht abschliessend erklären.
3. Konkrete Leistungen erzielen interessante Klickraten
Die Anzeigengruppe für Online-Shops hatte mit 1,1 % die höchste Klickrate, allerdings bei deutlich weniger Impressionen. Das ist ein interessantes Signal, aber noch kein Beweis dafür, dass spezifische Botschaften grundsätzlich besser funktionieren.
4. Ob aus Klicks Kunden werden, ist offen
Ohne Conversion-Tracking wissen wir nicht, wie viele Besucher eine Anfrage gestellt oder einen anderen geschäftlich relevanten Schritt gemacht haben. Das wäre der nächste sinnvolle Test.
5. Ohne Gesprächskontext bleibt die Optimierung eingeschränkt
Wir kennen unsere Klickzahlen, Kosten und Besucher. Aber über die Fragen und Bedürfnisse, die unmittelbar zur Ausspielung unserer Anzeigen führten, wissen wir kaum mehr als vorher.
Fazit: Lohnen sich ChatGPT Ads für KMU?
ChatGPT Ads sind für uns aktuell vor allem ein Kanal für Sichtbarkeit und Reichweite, noch kein nachgewiesener Kanal für Kundenanfragen.
Wer in seiner Region bekannter werden will und etwas Testbudget zur Verfügung hat, kann den Kanal ausprobieren.
Wer dagegen jeden investierten Franken gezielt auf Anfragen und Abschlüsse optimieren muss, findet bei Google Ads derzeit mehr Möglichkeiten zur datenbasierten Steuerung.
Unsere Empfehlung an KMU:
Google Ads als bewährte Basis. ChatGPT Ads vorerst als ergänzender Test mit sauberem Tracking, klaren Zielen und einem festen Budgetdeckel.
Wir bleiben dran. Sobald uns das Reporting bessere Einblicke in die Ausspielung und den Gesprächskontext ermöglicht, schauen wir wieder genauer hin.
Bis dahin bleibt es, was es ist:
Sichtbarkeit mit verbundenen Augen.